Vergleich
Passwort oder Passphrase: Was ist sicherer?
Wie viele Zufallswörter wie vielen Passwortzeichen entsprechen, wie lange das Erraten dauert, warum ein ausgedachter Satz nicht reicht und wann sich was eignet.
Veröffentlicht am 15. Oktober 2026
Stärker ist, was mehr Zufall enthält. Ein Zufallspasswort und eine Folge zufällig gezogener Wörter können genau gleich stark sein. Der Unterschied liegt woanders: Das Passwort ist kürzer, die Passphrase lässt sich leichter merken und tippen. Unten steht, wie viele Wörter wie vielen Zeichen entsprechen und wann sich was eignet.
Woher die Stärke kommt
Stärke wird in Bit gemessen. Jedes zusätzliche Bit verdoppelt die Zahl der Versuche, die ein Angreifer braucht. Wir rechnen streng: Der Angreifer weiß, wie Passwort oder Passphrase entstanden sind, kennt die Wortliste und die Zahl der Wörter und kennt nur das nicht, was der Zufall bestimmt hat.
- Zufallspasswort: Jedes Zeichen wird aus 81 Möglichkeiten gezogen (Klein- und Großbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen) und bringt 6,3 Bit.
- Passphrase: Jedes Wort wird aus einer Liste von 7.776 englischen Wörtern gezogen und bringt 12,9 Bit. Ein Wort ist also so viel wert wie 2,0 Zufallszeichen.
| Passphrase | Stärke | Gleich starkes Zufallspasswort | Schneller Hash (MD5) |
|---|---|---|---|
| 4 Wörter | 52 Bit | 9 Zeichen | 2 Stunden |
| 5 Wörter | 65 Bit | 11 Zeichen | 2 Jahre |
| 6 Wörter | 78 Bit | 13 Zeichen | 16.000 Jahre |
| 7 Wörter | 90 Bit | 15 Zeichen | 130.000.000 Jahre |
| 8 Wörter | 103 Bit | 17 Zeichen | mehr als 1 Milliarde Jahre |
Der Generator beginnt mit 6 Wörtern. Eine solche Passphrase hat 78 Bit, so viel wie ein Zufallspasswort mit 13 Zeichen. Zum Vergleich: Ein Zufallspasswort mit 16 Zeichen hat 101 Bit, eine Passphrase holt es bei 8 Wörtern ein.
Länger, aber leichter zu merken
Die Wörter der Liste haben im Schnitt 7,0 Buchstaben. Eine Passphrase aus 6 Wörtern mit Bindestrichen ist damit im Schnitt 47 Zeichen lang, ein gleich starkes Zufallspasswort nur 13. Die Länge stört wenig. Sie merken sich 6 Wörter, nicht 47 Zeichen, und auf dem Handy tippen Sie sie ohne Wechsel zu Ziffern und Sonderzeichen.
Mit 6 Wörtern ist eine Passphrase gut, aber nicht unerreichbar. Würde eine Datenbank mit schnellen Hashes geleakt, bräuchte eine Grafikkarte im Schnitt 16.000 Jahre. Wo ein Dienst Passwörter mit einem langsamen Hash speichert (im Test bcrypt), wären es mehr als 1 Milliarde Jahre. Als sehr stark bewertet der Generator eine Passphrase ab 8 Wörtern.
Nur zufällig gezogene Wörter
Die Zahlen der Tabelle gelten nur für Wörter, die der Zufall gewählt hat. Ein selbst ausgedachter Satz, ein Zitat, eine Liedzeile oder ein Sprichwort ist viel schwächer. Menschen wählen Wörter vorhersehbar, und Angreifer haben Wörterbücher ganzer Phrasen.
Die Änderungen, die Formulare verlangen, helfen kaum. Einen Großbuchstaben am Anfang jedes Wortes setzt ein Angreifer einfach voraus, er bringt nichts. Eine zufällige Ziffer am Ende bringt 3,3 Bit, weniger als ein Wort. Wer die Passphrase stärken will, nimmt besser ein Wort mehr.
Wann was
- Passwörter für gewöhnliche Konten: ein Zufallspasswort aus dem Passwort-Generator, gespeichert im Passwortmanager. Sie müssen es sich nicht merken, Länge und Zeichen spielen also keine Rolle.
- Was Sie sich merken oder von Hand tippen müssen: das Hauptpasswort des Passwortmanagers, die Anmeldung am Computer oder die Festplattenverschlüsselung. Hier ist die Passphrase besser. Für das Hauptpasswort, das alles andere schützt, ziehen Sie mindestens 8 Wörter.
Das BSI nennt als einen Weg ein langes, weniger komplexes Passwort mit 20 bis 25 Zeichen aus zwei Zeichenarten, zum Beispiel eine Wortfolge. Eine Passphrase aus 6 Wörtern liegt mit im Schnitt 47 Zeichen deutlich darüber. Das US-Institut NIST verlangt in SP 800-63B-4 mindestens 15 Zeichen, wenn das Passwort der einzige Anmeldeweg ist. Ob Passwort oder Passphrase, es gelten dieselben Regeln: eines pro Zugang und für wichtige Konten die Zwei-Faktor-Authentisierung. Mehr dazu im Artikel Wie Sie ein sicheres Passwort erstellen.
Der Passphrase-Generator zieht die Wörter direkt in Ihrem Browser. Die Passphrase wird nirgendwohin gesendet und nicht gespeichert.
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Datenquellen
- Electronic Frontier Foundation, EFF Large Wordlist (7,776 words)
- BSI, Sichere Passwörter erstellen
- NIST, SP 800-63B-4, Digital Identity Guidelines: Authentication and Authenticator Management (section 3.1.1.2 Passwords)
- hashcat, benchmark NVIDIA GeForce RTX 5090 (hashcat v6.2.6)
Der Artikel dient nur zur Information und ist keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die Zahlen werden direkt aus den genannten Quellen berechnet und ändern sich mit deren Aktualisierung.